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Marketing und Kommunikation

Andrea Büchner, Leiterin der SAW.: Akademie für Marketing und Kommunikation Leipzig, über das Bedürfnis des Mediennachwuchses nach Orientierung und Führung – und über den Anspruch, keine stromlinienförmigen Karrieristen auszubilden.

Frau Büchner, wie wichtig ist eine fundierte Ausbildung in der Medien- und Kommunikationswirtschaft angesichts zahlreicher Quereinsteiger?
Quereinsteiger werden oft aus finanziellen Gründen eingestellt, da gute, qualifizierte und erfahrene Leute teurer sind als Newcomer. Von Newcomern denkt man auch, sie sind unverbraucht, frisch und liefern en masse neue Ideen, am liebsten zum Nulltarif. Ungeachtet dessen ist eine fundierte Aus- und Weiterbildung für den Nachwuchs der Branche aber wichtig – auch wenn die Möglichkeiten dazu beschränkt sind.

Können Sie das näher erklären?
Berufsbegleitende, auf die Branche zugeschnittene Weiterbildungsplätze sind sehr selten. Vor diesem Hintergrund ist auch die SAW entstanden – sie bietet ein kompakteres Studium, das direkt mit einer Tätigkeit in der Kommunikationsbranche verbunden ist. Das dauert zwei Jahre und verzahnt Theorie und Praxis so, dass die Studierenden, wenn sie am nächsten Tag in ihre Büros oder Agenturen gehen, das Gelernte auch tatsächlich anwenden können.

Wie schätzen Sie die aktuelle Studentengeneration hinsichtlich des Engagements, mit dem sie an die Ausbildung geht, ein?
Den berufsbegleitenden Studiengang des Kommunikationswirtes gibt es für Abiturienten mit Vollzeitpraktikum oder die „Praktikerklassen“, die schon richtig in der Branche arbeiten. Wenn man nun so ein Studium jeden Freitag und Samstag machen möchte, muss man sehr viel Zielstrebigkeit und Durchhaltewillen mitbringen. Alle kommen mit der Motivation: Schneller zum Ziel kommen! Der Nachwuchs ist wach, neugierig und kämpft um seine Chance. Frust kann entstehen, wenn ich das Gefühl habe, dass die SAW mit einem Spaßbad verwechselt wird und die Anstrengungsbereitschaft in den Köpfen der Jugendlichen nicht mehr die erste Bedingung für Erfolg ist.

Wie meinen Sie das?
Am Anfang der Weiterbildung sind alle zunächst begeistert und engagiert. Viele halten durch, bei einigen sind Konsum und Spaß die Zauberworte oder gar ein selbstgefälliges Zurücklehnen. Tatsache ist, der Studienalltag ist neben Job und Familie hart. Die Unternehmen haben hohe Erwartungen an ihre Mitarbeiter. Ich registriere zunehmende Unsicherheit bei den jungen Leuten, die ihr Studium selbst finanzieren. Dazu macht die wachsende Belastung im Job dem Nachwuchs die Vereinbarkeit von Arbeitsalltag und Ausbildung nicht gerade einfacher.

Welche Illusionen machen sich die Neulinge?
Sehr viele von ihnen denken, dass sie eines Tages bei Jung von Matt oder Springer & Jacoby sitzen. Was zwar schön ist, da es sehr motivierend wirken kann. Aber nur die Besten haben einen langen Atem.

Wie sieht es mit der fachlichen Qualität aus, die die jungen Medienmacher mitbringen?
Abiturienten bringen noch nicht die Qualität mit, da sie frisch von der Schule kommen. Defizite gibt es im Allgemeinwissen und bei der Kommunikationsfähigkeit. Bei den jungen „Praktikern“ sind die fachlichen Qualitäten auch sehr unterschiedlich, da sie alle aus unterschiedlichen Bereichen kommen – was auch den Reiz des Studiums ausmacht. Die Studenten sind aktiver Bestandteil, der Verantwortung übernimmt, so dass man sich der harten Arbeit stellt und von falschen Vorstellungen verabschiedet. Wünschen würde ich mir eine größere Neigung zu Experimenten und verrückten Ideen.

Ist der Konkurrenzkampf um Ausbildungs- und Arbeitsplätze größer geworden?
Das ist hier noch nicht so schlimm ausgeprägt, was mich sehr verwundert. Selbst wenn mehrere Studenten in einem Praktikumsbetrieb sind, haben sie eher ein freundschaftliches Verhältnis zueinander. Ich habe in einer Agentur in Hannover ganz andere Erfahrungen gemacht. Dort wurde auch unter den Auszubildenden mit Ellenbogen gekämpft. Natürlich geht es am Ende darum, wer übernommen wird – aber auf Dauer fühlt man sich in einer solchen Umgebung nicht wohl. Unsere Studenten fahren auch in den Kursen eher einen „Schmusekurs“. Im letzten Teil des Studiums muss zum Beispiel eine Konkurrenzpräsentation durchgeführt werden. Doch meist wollen die Studenten nicht gegeneinander antreten. Vor einigen Jahren dagegen hat man das sogar so ernst genommen, dass die Gruppen nicht mehr miteinander geredet haben.

Wird der Nachwuchs genug gefördert?
Nein. Es könnte viel mehr für den Nachwuchs getan werden. Aber das müssen die jungen Medienmacher dann auch nachfragen. Man kann zum Beispiel den Studiengang Kommunikationswirt machen und parallel dazu den IHK-Abschluss. Der nächste Schritt könnte der Betriebswirt sein. Aber nicht nur von Seiten der Bildungsträger besteht Handlungsbedarf. Auch die Unternehmen müssten sich stärker für die qualitativ hochwertige Ausbildung des Nachwuchses einsetzen – schließlich sind sie ja auf fähige Mitarbeiter angewiesen. Doch alarmierender Weise ist die Förderung durch die Medienbetriebe in der letzten Zeit stark zurückgegangen. Doch auch in der theoretischen Ausbildung gibt es im Engagement der Firmen Defizite. So könnten die Unternehmen ihr Fachwissen viel stärker einbringen, indem sie sich beispielsweise bereit erklären, eine Gastvorlesung zu halten. Da gibt es starken Nachholbedarf.


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