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Schnittchen reichen nicht mehr

Gunnar Saft, Politik-Redakteur der Sächsischen Zeitung (SZ) und Vorsitzender der Landespressekonferenz, erklärtim Interview, warum das Instrument „Pressekonferenz“ ständig neu erfunden werden muss, um Journalisten auch zukünftig erfolgreich anzusprechen.

Herr Saft, Pressekonferenzen funktionieren als PR-Instrument noch. Wie ist Ihre Beobachtung dazu?
Nicht jede Pressekonferenz ist gleich gut besucht. Das hat zwei wichtige Gründe. Zum einen muss die Veranstaltung mit Thema und Personen gut im aktuellen Zeitgeschehen platziert sein. Es muss für Journalisten überhaupt erstmal Bedarf bestehen, zu den Leuten und dem Thema nähere Informationen zu erhalten. Durch die Konkurrenz der Themenangebote gibt es dabei immer Gewinner und Verlierer. Der zweite Grund hängt aus meiner Sicht mit der starken Medienkonzentration zusammmen. Auf einer Pressekonferenz bedeutet das, dass eine Frage und Antwort gleich Information für alle sind. Durch die Konkurrenz der Medien kommt es häufiger dazu, dass Journalisten lieber Einzelgespräche mit den Personen führen oder Eigenrecherche betreiben – in der Hoffnung, das Thema mit einem gewissen Informationsvorsprung und damit lukrativer zu präsentieren.

Woran liegt es nun konkret, dass immer weniger Journalisten bei Pressekonferenzen zu sehen sind?
Wenn die Erwartungshaltung oder die Erfahrung besagt, dass auf einer Pressekonferenz nichts wirklich Neues und Interessantes präsentiert wird, dann ist natürlich der Journalist, der sich im Tagesstress seine Zeit ganz genau einteilen muss, nicht geneigt, den Termin wahrzunehmen. Denn er überlegt, dass das Thema zwar interessant ist, aber jeder der Geladenen zehn Minuten sprechen wird – und das kostet Zeit. Man kann stattdessen im Nachhinein über die Pressesprecher, die Pressematerialien oder durch einen Anruf viel effektiver und kürzer erfahren, was man bei einer Pressekonferenz nur in einer langen Form bekommt. Die Erfahrung zeigt, dass eine Pressekonferenz auch gern zur Selbstdarstellung eines Unternehmens oder einer Person genutzt wird, um sich wieder in das „öffentliche Bewusstsein zu bringen“, so dass unter dem Strich keine wirkliche Information dabei ist. Dadurch hat sich das Gefühl herausgebildet, dass man bei dem einen oder andern „Einlader“ in einer gewissen Art und Weise nur missbraucht wird.

Wie beobachten Sie sich diesbezüglich selbst als Journalist?
Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist auch bei mir der Punkt: Was nützt mir die Pressekonferenz, was könnte dabei rauskommen? Und in der Regel stecke ich lieber mehr Zeit und Aufwand in die Recherche exklusiver Inhalte, als in den Besuch von Pressekonferenzen.

Wie könnten Pressekonferenzen weiterentwickelt werden, um Journalisten stärker anzusprechen?
Das hat ein zeitliches und ein inhaltliches Kriterium. Inhaltlich sollte beachtet werden, dass Themen interessant übermittelt werden. Dazu gehört interessantes Pressematerial, welches die wichtigsten Informationen enthält und dem Journalisten das Gefühl gibt, dass er sich auf das Frage-/Antwortspiel konzentieren kann. Des Weiteren sollte man wissen, zu welchem Zeitpunkt man sein Thema anbietet. Es sind manchmal ganz banale Sachen. Wie Festtermine, an denen politische Pressekonferenzen die Aufmerksamkeit der Medien beanspruchen. Außerdem gilt es, vorausschauend zu planen, wann ein Thema Interesse in der Öffentlichkeit finden könnte. Als Gastgeber einer Pressekonferenz sollte man nicht davon ausgehen, wann man selbst Zeit hat.

Wie hat sich der journalistische Arbeitsalltag in den letzten 20 Jahren geändert?
Die Zugänglichkeit von Informationen ist einfacher geworden – aber nicht nur für Journalisten, sondern auch für die Allgemeinheit. Möglichkeiten und Druck, aus dieser Informationsfülle besser auszuwählen, haben in den letzten Jahren zugenommen.

Welche Strategie fährt die Landespressekonferenz, um Journalisten für Ihre Veranstaltungen zu interessieren?
Die Strategie ist: terminlich und inhaltlich zu versuchen, die verschiedenen Veranstaltungen aufeinander abzustimmen. Wir führen beispielsweise jeden Dienstag nach der Kabinettssitzung eine Pressekonferenz der Landesregierung durch. Jeden Donnerstag gibt es einen ähnlichen Festtermin. Wir agieren sowohl als Vermittler zwischen den Interessen der Kollegen als auch den Interessen der Leute, die erfolgreich eine Pressekonferenz in der Landeshauptstadt abhalten wollen. Man muss also vermitteln, abstimmen, Termine freihalten, im Notfall auf Kollisionen hinweisen und versuchen, dort Alternativen zu finden.


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